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11.03.2026

Trumps Macht steht und fällt mit dem Dollar

Die US-Verschuldung liegt bei 125% des BIP – in Washington interessiert das niemanden. Denn ­Amerikas Währung ist ein Monopol, wodurch sich so mancher in Sicherheit wiegt.

Konrad Hummler
Finanz und Wirtschaft

Bezüglich Donald Trump hat sich die Welt mittlerweile an vieles gewöhnt. Kanada, Panama, Grönland. «Liberation Day» mit Importzöllen zwischen 10 und 50%. Staatsoberhäupter entfernt, entweder ins New Yorker Gefängnis oder ins persische Trümmergrab. Anspruch auf den Friedensnobelpreis. Ausbau der Einwanderungsbehörde ICE zu einer neuen Bundespolizei, Rausschmiss der Innenministerin. Das Staccato-Tempo ermüdet, und man fragt sich, ob diese Machtentfaltung und offensichtliche Willkür an keinerlei Grenzen stossen müssen. Das Oberste Gericht, der Supreme Court, überraschte mit einem Urteil, das in diese Richtung wies: Zölle gegen einzelne Importländer müssten Sache des Kongresses bleiben.

Doch Trump liess sich nicht beirren und erhob sogleich einen für die ganze Welt geltenden Zolltarif. Das darf er anscheinend. Da sich der Supreme Court davor drückte, etwas zur allfälligen Erstattung unrechtmässig erhobener Zölle auszusagen, herrscht derzeit Unklarheit über einen Betrag von rund 150 Mrd. $: Gehören sie den Unternehmen, den amerikanischen Konsumenten, oder verbleiben sie beim Staat? So ist das halt, wenn nicht regelbasiert Politik betrieben wird.

Ich wage die Prognose, dass sich der Führungsstil Trumps nicht wesentlich ändern wird, nörgelnde Parlamentarier hin, Oberster Gerichtshof her. Er kann gar nicht anders. Alles muss in Bewegung bleiben, sonst destabilisiert sein System. Einen gewissen Einschnitt könnten die Zwischenwahlen vom November 2026 verursachen, vor allem dann, wenn sich die Mehrheiten stark verschieben.

Residualgrösse der Machtanmassung

Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er dann nicht gegen die parlamentarische Einmischung auftrumpfen würde. Er will Zeichen setzen und unumkehrbare Tatsachen schaffen, bis er nicht mehr US-Präsident ist. Diese Konstante in seinem politischen Handeln haben wir wenigstens erkannt. Die Residualgrösse dieser Machtentfaltung und Machtanmassung ist meines Erachtens der amerikanische Dollar. Alles, was Trump (und eigentlich auch schon seine Vorgänger, allerdings in etwas verhaltenerer Form) veranstaltet, basiert finanziell auf der Sonderstellung der amerikanischen Währung. Der US-Dollar ist Weltwährung mit Monopolcharakter. Wer immer rund um den Globus irgendwelche Geschäfte macht, kommt kaum darum herum, Dollar zu erwerben und zu horten. Die «natürliche» Dollarnachfrage ist immens. Und wer Dollar hat, kauft «natürlich» irgendwann auch Dollarbonds, um in den Genuss einer gewissen Verzinsung zu gelangen. Am naheliegendsten sind die Schatzpapiere der US-Regierung, die Treasuries, sogenannt risikolos. Auch die Nachfrage nach Treasuries war und ist immer noch immens.

Die US-Politik konnte sich aufgrund dieser besonderen Konstellation den Aufbau einer Verschuldung leisten, die ihresgleichen sucht. Derzeit liegt sie bei 125% des Bruttoinlandprodukts. Zum Vergleich: Griechenland 146,7, Italien 136,8 und Frankreich 116,5%. Zu Beginn seiner Amtszeit versprach Donald Trump, das Verschuldungsproblem tiefgreifend anzugehen, und liess eine Zeit lang das schillernde Multitalent Elon Musk mit der DOGE genannten Behörde (Departement for Government Efficiency) im Staatshaushalt herumwühlen. Tausende von Bundesbeamten verloren ihre Stelle, und für Aussenstehende wirkten einige der beschlossenen Budgetkürzungen durchaus erfrischend, zumal im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, wo es sich allzu viele Nutzniesser gemütlich gemacht hatten. Nur: An der Verschuldung änderte sich leider nicht viel, nicht einmal an ihrer ziemlich konstanten Zunahme.

Wenn man sich in Washington umhört – ich tat das gegen Ende des vergangenen Jahres vor Ort –, dann muss man feststellen, dass die Verschuldung kein politisches Thema ist. Die Sorglosigkeit ist geradezu greifbar, dies sogar in Kreisen, die traditionell der Idee des gesunden Geldes und gesunder Staatsfinanzen verpflichtet waren. «It’s no issue.» Und weil das so ist, hat der Präsident die Verschuldungsfrage aus seiner Agenda gestrichen. Zwar übersteigen die Zinszahlungen bereits den Rüstungsetat, aber wen kümmert’s?

Ja, genau, das ist die grosse Frage: Wen kümmert’s? Die Bondhändler natürlich und hinter ihnen alle, die auf Dollarpositionen und Treasury-Beständen sitzen. Sie alle wissen, dass «es» nicht unendlich lange so weitergehen kann, aber solange kein Trigger-Event stattfindet, will selbstverständlich keiner die sich laufend selbstbestätigende Prophezeiung stören. Trigger-Event: Nach dem «Liberation Day» gab es den ersten Schluckauf in Form erhöhter Langfristzinsen. Donald Trump mässigte sich stante pede und nahm einen Teil seiner Zollforderungen zurück. Zu mehr als einem Schluckauf, nämlich zu einem regelrechten US-Dollar-Bond-Crash, wird es aber nicht so schnell kommen. Denn es fehlen die Alternativen zum Dollar. Ein Monopol ist eben genau wegen mangelnder Alternativen ein Monopol.

Fehlende Alternativen

Darin liegt historisch wohl der grösste Fehler des Westens: dass man die Chinesen ins Weltwirtschaftssystem hineinliess, ohne sie zu einer konvertiblen Währung zu zwingen. Die Amerikaner wollten es nicht, weil das Währungsmonopol die Finanzierung der Politik erleichterte. Das Resultat davon ist u.a. die dramatische Desindustrialisierung in Amerika – der Renminbi blieb über all die Jahre chinesischer Produktivitätssteigerung konstant tief, bescherte den USA niedrige Inflationsraten und beraubte sie der Konkurrenzfähigkeit. Dafür konnten sie den Chinesen immer wieder frische Treasury Bills verkaufen. Blockchain-Währungen? Mit dem smarten Move zu den Stablecoins hin raubte Trump ihnen einen Teil der Daseinsberechtigung und stärkte die Stellung des US-Dollars noch zusätzlich. Als Alternative zum Dollar sind Bitcoin & Co. vorderhand vom Tisch.

Keine Frage: Donald Trump strapaziert das System bis an die Grenzen. Aber als früherer Geschäftsmann weiss er, dass man sich nicht gegen den Markt stemmen darf. Der Markt ist an sich mächtiger als jeder Präsident, als der Supreme Court, als das Fed. Der Markt, das sind die US-Dollar-Langfristzinsen. Die grosse Unbekannte ist, was es bräuchte, damit unter den besonderen Bedingungen des Währungsmonopols diese Langfristzinsen emporschnellen. Wir wissen es nicht und müssen zugeben: It’s the Dollar, yes, but we are somewhat stupid.

Dieser Artikel ist erstmals am 10. März in Finanz und Wirtschaft erschienen und wird hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion wiedergegeben.