Die Zeiten sind verwirrlich, ohne jeden Zweifel. Alles scheint in Bewegung gekommen zu sein. Grossstaaten greifen Schwächere an, als ob es kein Völkerrecht mehr gäbe. Russland die Ukraine, die USA Venezuela. Die Gründe sind wohlfeil. In Europa werden einzelne Bürger wegen Meinungsäusserung unter Sanktionen gestellt. Ohne Anzeige, ohne Gericht, ohne Rechtsmittel, ohne diplomatischen Schutz ihres Heimatlandes. Als ob es keine Individualrechte mehr gäbe. Die USA machen Anstalten, Europa zu verlassen. Als hätte es die Nachkriegsordnung nicht gegeben, als wäre sie nicht extrem erfolgreich gewesen. Die Nato wankt, die EU könnte implodieren. Derweil reiben sich Autokraten rund um den Erdball vernehmlich die Hände. Indonesische Insulaner dürfen den Zementkonzern Holcim verklagen, als gäbe es einen direkten Kausalzusammenhang zwischen der Zementproduktion und angeblichen Schäden im Pazifik. Die Benutzer von Betonstrassen und -häusern kommen ungeschoren davon, als hätten sie mit alldem nichts zu tun. Die Aktienmärkte, Gradmesser wirtschaftlichen Wohlbefindens, verzeichnen da und dort Höchststände. Derweil ist das Barometer für Unsicherheit, der Goldpreis, in bisher unerlangte Höhen gestiegen.
Kein Befehl eines Autokraten, kein Urteil eines abgehobenen Gerichts, keine Verordnung einer bürgerfernen Kommission: Eine «Bottom-up-Befreiung», ein Ablassen von Dampf, wie es eben nur die direkte Demokratie kennt.
Wahrlich ein Durcheinandertal (Dürrenmatt)! Wenig scheint mehr gewiss zu sein, alles droht zwischen den Händen zerrieben zu werden. Doch halt. An einem Ort der Welt wurde im Jahr 2025 Klarheit geschaffen. Unmissverständlich. Wo? In der guten alten Schweiz, dem vielfach geschmähten und bald einmal totgesagten Idealstandort für die Verwaltung von Vermögen privater Anleger. Am letzten Novemberwochenende durfte das Schweizervolk nämlich über eine Volksinitiative abstimmen, die es in sich hatte. Unter dem Vorwand des Klimaschutzes wollten die Initianten nämlich die kleine Gruppe jener, die über 50 Millionen Vermögen besitzen, teilenteignen. Indem man ihnen, nur ihnen, eine Erbschaftssteuer von 50% aufgebrummt hätte. Beabsichtigt war erst noch rückwirkende Rechtskraft auf den Abstimmungstermin hin.
Geplante Wegnahme also, so wie Russland vielleicht einmal im Baltikum oder die USA vielleicht einmal in Grönland. Der Initiativtext war verführerisch. Er war im eigentlichen Sinn populistisch. Denn über 99% der Bevölkerung wäre von der neuen Steuer nicht direkt betroffen gewesen. Eine einzige der schweizerischen Regierungsparteien, die sozialdemokratische, unterstützte das abstruse Vorhaben der Jungsozialisten. Doch das Volk sagte nein. Deutlicher, als das sämtliche Prognostiker vorausgesagt hatten. Mit fast 80%.
Die Antwort der Schweizerinnen und Schweizer war gleichermassen pragmatisch wie prinzipiell. Pragmatisch, weil die neue Erbschaftssteuer die reiche Minderheit schlicht aus dem Land vertrieben hätte. Zum Schaden aller. Prinzipiell, weil das Schweizervolk an der Eigentumsgarantie festhalten will. Es ahnte, dass eine solche Spezialsteuer für Superreiche nur der Anfang gewesen wäre. Am Ende wären auch Durchschnittsbürger in der einen oder andern Form enteignet worden, so die Befürchtung.
Die Abstimmung war ein Paukenschlag der besonderen Sorte. Nämlich von unten. Kein Befehl eines Autokraten, kein Urteil eines abgehobenen Gerichts, keine Verordnung einer bürgerfernen Kommission. Vielmehr eine «Bottom-up-Befreiung», ein Ablassen von Dampf gegen alle Übergriffigkeit, wie es eben nur die direkte Demokratie kennt. Und die gerade deshalb nach wie vor die beste Garantin ist für den Standort eines Finanzplatzes, wo Eigentum auch Eigentum bleiben soll.
Dieser Text erschien erstmals am 31. Januar 2026 im Private Client Letter und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors wiedergegeben.